Fundbewertung und Arbeitshypothese 

Die verantwortlichen Wissenschaftler gehen davon aus, dass die rund 600 gefundenen Artefakte römischen Legionären zuzuordnen sind. Nicht völlig ausgeschlossen werden kann zur Zeit, dass es sich um Auseinandersetzungen zweier germanischer Stämme gehandelt habe, ausgerüstet mit Waffen aus römischer Produktion.[3] Durch andere Funde, etwa aus dem Thorsberger Moor in Schleswig-Holstein, weiß man, dass im 3. Jahrhundert offenbar zahlreiche innergermanische Konflikte ausgetragen wurden, wobei die Krieger römische Waffen benutzten. Die zahlreichen Präzisionsgeschosse aus Torsionsgeschützen unter den Fundstücken sprechen nach Ansicht der ausgrabenden Wissenschaftler jedoch eindeutig dafür, dass eine größere römische Einheit in einen Kampf mit Germanen verwickelt worden war: Vom Einsatz derartiger Kriegstechnik durch Germanen ist bislang nichts bekannt.

Einer Arbeitshypothese zufolge ist es wahrscheinlich, dass sich römische Truppen auf dem Rückmarsch aus dem Norden befanden. Der nach Süden führende Pass war von Feinden versperrt worden, die Legionäre mussten sich ihren Weg unter massivem Waffeneinsatz über den Höhenzug erkämpfen. Die Fundsituation spräche dabei für einen Erfolg der römischen Einheit und ihrer überlegenen Militärtechnik.

Die Datierung ist bisher nicht eindeutig. Aufgrund des Fundes einer Münze, die den Kaiser Commodus abbildet, sowie aufgrund der Ausrüstungsgegenstände gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Kampf nach 180 n. Chr. (Herrschaftsantritt des Commodus) stattgefunden haben muss. Als hypothetische Datierung wird derzeit das frühe 3. Jahrhundert erwogen, wobei etwa die Zeit der Germanienfeldzüge der Kaiser Caracalla oder Maximinus Thrax in Frage kommt.


Folgen für die Geschichtsschreibung 
Die Ereignisse bei Wiershausen spielten sich rund 200 Jahre nach der Varusschlacht und den Feldzügen des Germanicus (bis 16 n. Chr.) ab. Diese Vorgänge stellten das Ende des römischen Versuchs dar, den Raum bis zur Elbe in das Imperium einzubeziehen. Allerdings dehnten die Römer in der darauffolgenden Zeit ihre Grenzbefestigungen durchaus auf germanisches Gebiet aus und verleibten sich das Dekumatland (siehe Obergermanisch-Raetischer Limes) ein. Die eindeutige Feststellung einer römischen Militäraktivität so weit östlich des Rheins (auf dem Gebiet der Magna Germania) hätte dennoch - zumindest nach Medienberichten - eine bedeutende Wirkung auf die bisherige Darstellung der römischen Geschichte auf heutigem deutschem Boden,[4][5] etwa in Hinblick auf die Bewertung literarischer Quellen zu diesem Zeitraum.

Römische Quellen berichten von größeren Feldzügen östlich des Rheins und nördlich der Donau im 3. nachchristlichen Jahrhundert, insbesondere für die Regierungszeit der Kaiser Caracalla (im Jahr 213) und Maximinus Thrax (im Jahr 235). Dies ist unter Althistorikern seit langem bekannt. Für diese literarische Überlieferungen fehlte bislang aber die archäologische Evidenz in der Magna Germania. Auch war sich die althistorische Forschung bislang über den tatsächlichen Radius dieser Militäroperationen im unklaren. Hier läge die historische Bedeutung des Fundortes Wiershausen bei Kalefeld. Wenn sich die vorläufige Interpretation der Funde bestätigen sollte, blieb das Innere Germaniens deutlich länger, intensiver und weiträumiger, als bislang angenommen wurde, Ziel römischer Militäroperationen. Literarischen Quellen zufolge dienten diese der Vorfeldsicherung der römischen Reichsgrenze an Rhein und Donau sowie des Dekumatlandes.

Quelle: wikipedia